• Peter Donath

25 Jahre Zusammenschluss mit der IG Metall

Aktualisiert: 17. Okt.

Vor 25 Jahren endete die Geschichte selbstständiger Gewerkschaften für die Textil- und Bekleidungsbranchen in Deutschland. 106 Jahre nach der Gründung des Deutschen Textilarbeiterverbandes im thüringischen Pößneck beschlossen am 30. September 1997 die 202 Delegierten der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB) die Auflösung ihrer Organisation. Nach hunderttausendfachen Arbeitsplatzverlusten aufgrund von Produktionsverlagerungen in Länder mit niedrigen Lohn- und Sozialstandards war die organisatorische und finanzielle Basis für eine eigenständige Gewerkschaft mehr und mehr gefährdet. Um auch für die Zukunft eine gewerkschaftliche Vertretung der Beschäftigten im Textil-Bekleidungssektor zu gewährleisten, hatten die Führungsgremien der Organisation beschlossen, rechtzeitig zu handeln bevor eine mögliche Finanzknappheit sie in eine Zwangslage führen würde.


Zu Beginn des außerordentlichen Gewerkschaftstages der GTB am 29. September 1997 verwies der Vorsitzende Willi Arens auf die dramatische Entwicklung der textilen Branchen: „Hatten wir doch 1990 im wiedervereinigten Deutschland rund 700.000 Arbeitnehmer in der Textil- und Bekleidungsindustrie, so sind es heute noch gut 210.000. Das heißt, zwei Drittel der Arbeitsplätze in der Textil- und Bekleidungsindustrie sind in den letzten vier Jahren weggefallen.“ In der GTB waren zu dieser Zeit noch rund die Hälfte der Beschäftigten organisiert, - knapp 110.000 Beschäftigte aus den Betrieben bekannten sich zur Textilgewerkschaft. Hinzu kamen 37.000 berentete und 42.000 erwerbslose Mitglieder.

Mitgliedermagazin der GTB, Oktober 1997


Aufgrund des anhaltenden Beschäftigungsrückgangs hatte die GTB die Zahl ihrer regionalen Büros angepasst und die Zahl ihrer Gewerkschaftssekretär:innen verringert. Sie hatte darüber hinaus Kooperationen mit anderen kleineren Gewerkschaften im Deutschen Gewerkschaftsbund ausgelotet und eine Fusion mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten geprüft. Die Ergebnisse waren jedoch ernüchternd. Egal wie hoch die Einsparungen ausfielen, es gab keine Lösung, die eine wenigstens 10-jährige finanzkräftige und durchsetzungsfähige gewerkschaftliche Organisation garantieren würde.

Aber auch die großen Gewerkschaften IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) und IG Metall hatten ihr Interesse signalisiert, die textile Arbeitnehmer-Interessenvertretung zu übernehmen. Die GTB-Gremien votierten eindeutig für eine Fusion mit der IG Metall. Deren 160 örtliche Büros standen für die gewohnte ortsnahe Betreuung der Mitglieder und Betriebsratsgremien. Auch in den grundsätzlichen Zielen der Metallgewerkschaft gab es weitgehende Übereinstimmungen. Die IG Metall garantierte die Fortführung einer branchenbezogenen Tarifpolitik und die Einbindung des Personals sowie der vielen ehrenamtlichen Mitstreiter:innen, die bislang in der GTB für den überdurchschnittlich guten Organisationsgrad innerhalb der Gewerkschaftsfamilie gesorgt hatten. Der Erste Vorsitzende der IG Metall Klaus Zwickel versprach: “Ich stehe mit dem gesamten Vorstand der IG Metall dafür ein, dass wir eure spezifischen tarifpolitischen Probleme, eure Arbeit in den Betrieben, das breite ehrenamtliche Engagement mit all unseren gemeinsamen Kräften sichern und weiterführen werden.“


So beschloss der Gewerkschaftstag einstimmig bei nur einer Stimmenthaltung die Auflösung der GTB und die Integration in die IG Metall. Die neue Organisation kooptierte Manfred Schallmeyer, bisheriges Mitglied des Geschäftsführenden Hauptvorstands der GTB, als geschäftsführendes Vorstandsmitglied in ihr Leitungsgremium. Als ehrenamtliche Vorstandsmitglieder wurden Karl Heinz Niermann, Betriebsratsvorsitzender bei Amoco Fabrics in Gronau, Gerd Korsawe, Betriebsratsvorsitzender bei Triumph in München und Marianne Lutz, Betriebsratsvorsitzende bei Steiff in Giengen, hinzugewählt.




Mitgliedermagazin der GTB, Oktober 1997


Zum 1. April 1998 wurden das Personal übernommen und die GTB Büros geschlossen.

Am 30. Juni 1998 endete schließlich auch juristisch die Gewerkschaft Textil-Bekleidung.

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