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Bielefeld!

Die Stadt, die es gar nicht gibt, wenn man der alten Verschwörung Glauben schenken will. Zum Glück ist der Beleg trotz der ausgesetzten Millionen-Prämie für den Beweis der Nicht-Existenz nie erbracht worden. Schließlich hätte das auch zur Folge gehabt, dass es die Gewerkschaft Textil-Bekleidung niemals gegeben hätte.


Denn die Gewerkschaft Textil-Bekleidung, kurz GTB, wurde nicht nur in Bielefeld gegründet, auch ihre Führungspersonen aus der Gründerzeit waren hier zu Hause. Der 1898 geborene Werner Bock leitete von 1930 an die Bielefelder Geschäftsstelle des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes. 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt vertrieben und verfolgt, begann der Sozialdemokrat 1945 nach der Befreiung vom Faschismus mit dem Aufbau der Gewerkschaft, die nun nicht nur den Textil-, sondern auch die Bekleidungs- und die Lederindustrie umfasste. 1947 konstituierte sich in Bielefeld die Gewerkschaft Textil-Bekleidung-Leder für die britische Besatzungszone, die auch hier ihren Sitz hatte.

An der Seite Werner Bocks eine Frau. Liesel Kipp-Kaule, 1906 geboren, hatte als Näherin gearbeitet, als Betriebsrätin für ihre Kolleginnen und Kollegen gestritten. Ihr Betriebsratsamt musste sie 1933 aufgeben. Von den Nationalsozialisten argwöhnisch beäugt, setzte sie sich nach Offenbach ab. 1945 kehrte sie nach Bielefeld zurück und wurde alsbald zur führenden Frau in der Textil-, Bekleidungs-, Leder-Gewerkschaft. Gleichfalls war sie, wie Bock SPD-Mitglied, die einzige Frau im Vorstand des ebenfalls 1947 in Bielefeld gegründeten Deutschen Gewerkschaftsbundes für die britische Zone.


Noch bevor die Gründung der Bundesrepublik Deutschland sich konstituierte, gründeten im April 1949 die Gewerkschafter:innen aus den westdeutschen Bundesländern in Bad Salzuflen die Gewerkschaft Textil-Bekleidung. Die Gruppe Leder entschloss sich, eine eigene Gewerkschaft zu gründen. Der Hauptvorstand hatte seinen Sitz zunächst in der Bielefelder August-Bebel-Straße, bevor er 1950 nach Düsseldorf umzog. Erster Vorsitzender wurde Werner Bock, Liesel Kipp-Kaule wählte der Gründungskongress in den Geschäftsführenden Hauptvorstand. Beide übten ihre Funktionen bis 1963 aus. Von 1949 bis 1965 war Liesel Kipp-Kaule Mitglied des Deutschen Bundestages.

1963 wählte die GTB für den in den Ruhestand gehenden Werner Bock Karl Buschmann zum Vorsitzenden. Der 1914 geborene Gewerkschafter war ebenfalls Bielefelder, hatte nach 1949 zunächst den ostwestfälischen Bezirk geleitet, bevor er 1951 in den Geschäftsführenden Hauptvorstand der GTB gewählt wurde. Der Wohnsitz seiner Familie blieb jedoch die ostwestfälische Metropole. Buschmann übte sein Amt bis 1978 aus.


Schließlich war noch eine Bielefelderin im Geschäftsführenden Hauptvorstand tätig. Waltraud Hessedenz, die von 1971 bis 1986 die Bielefelder Geschäftsstelle der GTB leitete, wurde 1986 in das Führungsgremium gewählt. Sie ging 1997 in den Ruhestand.

1998 löste sich die Gewerkschaft Textil-Bekleidung auf, nachdem fast die gesamte Bekleidungs- und große Teile der Textilproduktion in Niedriglohnländer verlagert worden war.


Keine andere Stadt war wie die Leineweber-Stadt Bielefeld Heimat so vieler Mitglieder des siebenköpfigen Führungsgremiums der Gewerkschaft.

Werner Bock starb, nur ein Jahr im Ruhestand, 1964 in Bielefeld, nach ihm ist in seiner Stadt eine Straße benannt. Karl Buschmann verstarb 1988, Liesel Kipp-Kaule 1992. Waltraud Hessedenz wohnt heute in Oerlinghausen.







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