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16. Februar: Vor 34 Jahren starb Karl Buschmann

Aktualisiert: 6. März

Heute, am 16. Februar 2022, vor 34 Jahren verstarb Karl Buschmann. Von 1963 bis 1978 war er Vorsitzender der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB). Bereits seit 1951 gehörte er dem Geschäftsführenden Hauptvorstand der Textil-Gewerkschaft an. Karl Buschmann war nach der Befreiung vom Nationalsozialismus maßgeblich am Aufbau der GTB, zunächst

lokal in Bielefeld, dann in Ostwestfalen beteiligt. Fast drei Jahrzehnte prägte er die Gewerkschaft entscheidend mit, denn seit 1951 übernahm er die Verantwortung für die Kernaufgabe, die Tarifpolitik seiner Organisation.


In den 1950-er Jahren stand die Aufgabe der Angleichung der Löhne in der Textil- und Bekleidungsindustrie an den industriellen Durchschnitt im Vordergrund. In der traditionellen durch Frauenerwerbsarbeit geprägten Textil- und Bekleidungsindustrie stand in diesem Kontext auch die Lohnangleichung zwischen Männern und Frauen auf der Agenda. Bis 1955 gab es in den Tarifverträgen aller Branchen ausgewiesene Frauen-Lohngruppen, die für die Frauen um rund 10 % niedrigere Löhne als die für die Männer auswiesen.

Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden setzte sich Buschmann für einen auf Dialog ausgerichteten Umgang mit den Arbeitgebern ein. Nach den durch große Streiks in der Textilindustrie geprägten 1950-er Jahren brachte er die GTB auf einen sozialpartnerschaftlichen Kurs. Sein Angebot der an der Sache orientierten Zusammenarbeit stieß aber immer wieder an Grenzen. So führte die GTB auch in den 1960-er und 1970-er Jahren harte Tarifauseinandersetzungen und scheute auch vor Streiks nicht zurück.


Buschmann wies vor dem Hintergrund der zunehmenden Auslandsverlagerung der Bekleidungsindustrie bereits 1968 deutlich auf die Schieflage dieser Politik hin. Billiglöhne und niedrigste Sozialstandards seien kein „natürlicher Kostenvorteil“, der im internationalen Handel zum vermeintlichen Nutzen genutzt werde, andererseits führt die Verlagerung von Produktionen auch zu Abhängigkeiten. 1973, zur Zeit Willy Brandts als Bundeskanzler, rief Buschmann die Textil-Bekleidungsbeschäftigten zum „Marsch auf Bonn“ auf, um gegen die liberale Textil-Handelspolitik zu demonstrieren. Mit seiner Gewerkschaft gelang es dem Vorsitzenden maßgeblich zum Zustandekommen des „Welttextilabkommens“ beizutragen, das zumindest den Verlagerungsprozess in einem Zeitraum von 30 Jahren strecken konnte.



Der damalige Bundeskanzler nannte Buschmann auf dem Gewerkschaftstag 1978 den anerkannten Sprecher der Branche und fuhr fort: „Hier ist ein Mann, der nie Ideologe war, kein großer Theoretiker, keiner von den Lauten im Lande, einer der die Welt immer so genommen hat, wie sie ist, aber die sie nie so hat lassen wollen, wie sie war, der sie schrittweise verbessert hat.“ Schmidt betonte das hohe Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Gemeinwohl, bei gleichzeitig scharfem Blick, was herauszuholen sei.

Mehr zu Karl Buschmann und der GTB-Politik während seiner Zeit als Vorsitzender in den Kapitel 4 unseres Buches (das kostenlos als pdf heruntergeladen werden kann): »Wir machen Stoff« bei transcript Verlag (transcript-verlag.de)

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