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1. August: Vor 57 Jahren starb Werner Bock

Aktualisiert: Aug 15






14 Jahre stand Werner Bock an der Spitze der Gewerkschaft Textil-Bekleidung. Der gelernte Weber war bereits zur Zeit der Weimarer Republik beim Deutschen Textilarbeiter-Verband tätig, von 1928 an leitete er die Geschäftsstelle Bielefeld. 1933 wurde er von den Nazis aus dem Amt gejagt und zeitweise in sogenannte Schutzhaft genommen. Unmittelbar nach der Befreiung vom Faschismus 1945 engagierte er sich bei Aufbau einer neuen, nun überparteilichen Einheitsgewerkschaft für die Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie.


1947 wurde er zum Vorsitzenden der Gewerkschaft Textil-Bekleidung-Leder in der britischen Zone gewählt, zwei Jahre später gewann der Sozialdemokrat die Wahl zum Vorsitzenden der GTB für die Bundesrepublik Deutschland. Sechsmal wurde er wiedergewählt, bis er aus Altergründen im Jahr 1963 nicht mehr antrat.

Der Vorsitzende Werner Bock definierte für die GTB die »vornehmste Aufgabe, dass der Textil- und Bekleidungsarbeiter nicht am Ende im Lohngruppenvergleich stehen bleibt.« Das sahen die Arbeitgeber und ihre Verbände ganz anders. Die Gewerkschaft musste sich in harten Tarifauseinandersetzungen bewähren. Unter dem Vorsitz von Bock führte sie die die längsten Streiks ihrer Geschichte. 13 Wochen streikten die Textilarbeiter:innen 1953 in Westfalen, in Hessen 14 Tagen im Jahr 1955 und neun Wochen 1958. Sieben Wochen dauerte der Streik in der Textilindustrie des Tarifgebietes Niedersachen/Bremen im Jahr 1958. In den Tarifkämpfen sah der Gewerkschaftsvorsitzende ein Mittel zur Emanzipation der Arbeiterschaft. Jeder tarifpolitische Fortschritt sei gleichzeitig ein Schritt zur Freiheit und zur Menschenwürde.

Einen hohen Stellenwert maß Bock der internationalen Gewerkschaftsarbeit zu. Er führte die GTB in die Internationale der Textil- und Bekleidungsgewerkschaften zurück und wurde zu deren Vorstandsmitglied gewählt. Bock verfolgte eine Politik der Unterstützung der Gewerkschaften in den Entwicklungsländern, wo man sich bereits in den 1950er Jahren zunehmend auf die Textilproduktion spezialisierte. Er war davon überzeugt, dass mit der Bildung und Stärkung der Gewerkschaften in den Niedriglohnländern höhere Einkommen durchgesetzt werden könnten.

Nicht einmal ein Jahr im Ruhestand, verstarb der geborene Thüringer Werner Bock am 1. August 1964 im Alter von 66 Jahren in seiner Wahlheimat Bielefeld, in der heute eine Straße nach ihm benannt ist.


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